Was nach wenigen Kilometern ganz normal wurde
Eindrücke vom ersten World Naked Bike Ride in Berlin
Rund 700 Menschen nahmen am ersten World Naked Bike Ride in Berlin teil – ich war als Ordner dabei. Was bleibt: die Selbstverständlichkeit, die sich schnell entwickelte. Nach wenigen Kilometern sah ich keine nackten Körper mehr, sondern Menschen – unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen Geschichten. Niemand musste einem Schönheitsideal entsprechen.
Naturismus setzt der Körperbewertung Akzeptanz entgegen. Die Nacktheit war kein Zweck, sondern Teil einer Botschaft: für Körperakzeptanz, Toleranz, Bewegung und Umweltschutz. Eine Begegnung prägte mich: Ein Mann fuhr erst bekleidet mit, zog nach und nach Kleidung aus – ganz in seinem eigenen Tempo. Naturismus ist keine Pflicht, sondern freie Entscheidung.
Der Ride war friedlich, diszipliniert, ohne Müll. Die Polizei lobte die Organisation. Die Reaktionen am Straßenrand waren neugierig und freundlich. Man kann sichtbar sein, ohne zu provozieren.
Am Ende ging es um mehr als Nacktheit: um Freiheit, Selbstbestimmung, Respekt, Gemeinschaft und einen verantwortungsvollen Umgang mit Körpern und Umwelt. Nach einigen Kilometern war Nacktheit nichts Besonderes mehr. Wir waren einfach Menschen auf Fahrrädern.
Text: Thomas Rupp | Redaktion: Alfred Sigloch










