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Was ist FKK? Der schwierige Weg vom Zerrbild zur Wirklichkeit.

Um es vorweg zu sagen: was man heute im Internet über FreiKörperKultur findet, ist ein Zerrbild. Sucht man in Google nach FKK, erhält man ein großes Sammelsurium von Ergebnissen, wobei sich die Wünsche und Aktivitäten der Swingerszene besonders in den Vordergrund schieben. So findet man Diskussionsforen über die Befreiung der Sexualität, man stößt auf Seiten von „Erotic Sauna und Wellness Clubs“ und auf Reiseseiten, denen es vor allem um erotische Erlebnisse geht, die man angeblich in manchen FKK-Anlagen finden kann. Die Aktivitäten und Wunschbilder sexbesessener Zeitgenossen dominieren somit das Bild, welches das Internet zum Thema FKK liefert.

Wenn die Presse über FKK schreibt, stellt man oftmals fest, dass die zwielichtigen Webseiten genau gelesen und als Grundlage verwendet wurden. Es sieht meist nicht danach aus, dass die Autoren sich auch schon in normalen FKK-Anlagen oder auf den Geländen von Naturistenvereinen aufgehalten haben. Denn sonst müssten sie wissen, dass die sexuell motivierten Aktivitäten der Swingerszene nur Randerscheinungen sind, die für die Mehrheit der FKK-Anhänger keine Bedeutung haben.

Gibt es denn keine Journalisten, die wenigsten schon einmal eine Woche in einem der zahlreichen FKK-Ferienzentrum in Frankreich, Kroatien, Spanien, Deutschland, Österreich etc. verbracht haben? Dort hätten sie doch sehen müssen, dass es überwiegend Familien sind, die sich ihres textilfreien Lebens freuen – und dies gänzlich ohne sexistischen Beigeschmack! Alleine die Zahl von Deutschen, die so ihren Urlaub verbringen, wird auf etliche Millionen geschätzt. Die kleine Randgruppe der Leute, die FKK mit Sex verbinden wollen, trifft sich vielleicht außerhalb der Ferienanlagen an versteckten Plätzen, die man nur findet, wenn man gezielt nach ihnen sucht. Aber im Internet drängt sich diese Szene auf, als wären sie die Gralshüter der FKK-Bewegung.

Trotzdem besteht auch im Internet die Möglichkeit, zur Wirklichkeit vorzustoßen. Man kann auch die Homepage des Deutschen Verbands für Freikörperkultur, www.dfk.org, besuchen und feststellen, dass es alleine in Deutschland über 150 FKK-Vereine gibt. Diese unterhalten schöne Gelände und bieten ihren Mitgliedern und Gästen Sport, Spiel, Erholung und Naturerlebnis. Wer dabei sexuell aktiv werden will, bekommt hier gewiss keinen Fuß auf den Boden, denn der Verzicht auf Sport- und Badekleidung hat im Kreise der Naturisten völlig andere Beweggründe.

Das Leitmotiv von Kindern und Leuten, die Freizeit und Urlaub textilfrei verbringen, ist die Sehnsucht nach Harmonie mit der Natur. Dabei empfindet man Kleidung oftmals als störend, besonders die unangenehmen nassen Badetextilien oder verschwitzte Sportkleidung. Wer die Natur liebt, findet nicht nur weggeworfene Plastiktüten störend, sondern auch bunte Stofffetzen an den Körpern der Badegäste, die vor der Kulisse einer intakten Landschaft als Fremdkörper erscheinen. Wenn aber die Menschen neben dem Grün der Ufervegetation und inmitten der Lichtreflexe auf dem Wasser unbekleidet baden gehen, wird dem Betrachter klar, wie sehr wir für die Harmonie mit der Natur geschaffen sind.

In der heutigen Zeit ist das vielen Menschen nicht besonders wichtig. Doch angesichts aktueller Wirtschafts-, Umwelt- und Gesellschaftskrisen mehren sich die Stimmen, die das Thema unserer Beziehung zur Natur wieder ins Spiel bringen. Immer mehr wird erkannt, dass unser Wohlstand der Natur nicht gewaltsam entrissen werden darf, sondern nur im Einklang mit ihren Möglichkeiten und ihrem Wirken erzielt werden kann. Nur daraus kann sich eine zukunftsfähige Perspektive für die Weiterentwicklung unserer Kultur ergeben.

Dass man diesen Weg beschreiten will, kann z.B. auch durch Freikörperkultur seinen Ausdruck finden. So fügt sich der Mensch in die Schönheit der Natur ein, genauso wie es viele Maler gesehen und auf die Leinwand gebannt haben. Und diese sichtbare Harmonie prägt auch die Aktivitäten der großen FKK-Gemeinde. Es beginnt mit der Gemeinschaftsaufgabe, die FKK-Gelände im Einklang mit der Natur zu gestalten und zu erhalten, man bewegt sich an Luft und Sonne, man genießt den Aufenthalt in schöner Landschaft, die Frühgymnastik in der Morgensonne, die Mittagsruhe im Schatten alter Bäume und die Abendstimmung am See.

Viele Naturisten haben ein Plätzchen im Verein oder in einer Ferienanlage, wo sie einen kleinen Garten bestellen, eine kleine Scholle Erde bewirtschaften, die ein Teil des wunderbaren Symbiosenetzwerks des fruchtbaren Bodens ist. Es gibt FKK-Vereine, deren Gelände im Landschaftsschutzgebiet liegen und die eigenverantwortlich Naturschutzaufgaben übernehmen. Und das beinhaltet auch die Chance, junge Menschen an die Verantwortung für die Umwelt hinzuführen. Also ist es auch selbstverständlich, dass FKK-Anhänger keine Biotope beschädigen und keinen Müll in der Natur zurücklassen.

Wenn man seinen Körper nicht in Kleidung versteckt, besteht ein starker Anreiz, ihn in einer vorzeigbaren Form zu erhalten. Deshalb haben es sich die FKK-Vereine zu ihrer vordringlichen Aufgabe gemacht, sportliche Aktivitäten zu fördern. Vielfach spielen ihre Mannschaften – natürlich bekleidet – auch erfolgreich in Amateurligen aller Klassen mit und sind damit ein wichtiger Faktor im deutschen Breiten- und Familiensport. Dies ist ein gemeinnütziger, für die gesamte Gesellschaft wertvoller Beitrag, welcher der gesunden Entwicklung der Kinder und Jugendlichen ebenso dient wie der Erhaltung der Leistungsfähigkeit mit fortschreitendem Lebensalter.

Bei der naturverbundenen Freikörperkultur kommen alle Gefühle des Menschen in ein harmonisches Gleichgewicht. Dazu gehört auch – und sogar ganz besonders – das natürliche Schamgefühl, das weder übertrieben, noch unterdrückt werden sollte. Dieses ist die Grundlage eines rücksichtsvollen und sorgsamen Umgangs miteinander, der notwendig ist, um die hüllenlose Naturverbundenheit und sportliche Aktivität genießen zu können. FKK ist also auch eine Kultur des Schamgefühls, das gegenseitige Provokationen verhindert, seien sie nun auf Macht oder Sex ausgerichtet. Im respektvollen Umgang miteinander entsteht eine angenehme zwischenmenschliche Atmosphäre, in der sich alle, vom Säugling bis zum Greis, ohne Textilien wohlfühlen können. Und so ist der FKK-Urlaub für viele Familien zum schönsten Urlaub des Jahres geworden und für nicht wenige ihr FKK-Verein zur zweiten Heimat. All diese Menschen haben kein Verständnis dafür, wenn die Freikörperkultur auf Basis wirrer Information aus dem Internet schlechtgeredet wird. Durch Verbreitung zutreffender Fakten kann man dagegen für Jung und Alt viel Gutes stiften.

Lorenz Kerscher, Penzberg